Die Antwort in Kürze
Die Krankenversicherung in der Schweiz zu wählen bedeutet, einen KVG-Grundversicherer für die gesetzlich obligatorische Deckung auszuwählen und diesen Schutz – falls für Ihre Familie sinnvoll – mit VVG-Zusatzversicherungen zu ergänzen. Alle Grundversicherer decken exakt dieselben medizinischen Leistungen zu gesetzlich festgelegten Tarifen; die eigentlichen Unterschiede sind daher Prämie, Franchise, Versicherungsmodell (Standard, Hausarzt, HMO, Telmed) und Servicequalität. Vergleichen Sie die offiziellen Angebote auf priminfo.admin.ch, entscheiden Sie sich für Ihre Franchise und Ihr Modell und stellen Sie den Antrag vor dem jährlichen Stichtag am 30. November für einen Wechsel per 1. Januar.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Grundversicherung (KVG) ist innerhalb von drei Monaten nach Zuzug oder Geburt obligatorisch.
- Alle Grundversicherer decken denselben Leistungskatalog ab – nur Prämie und Service unterscheiden sich.
- Wählen Sie eine Franchise (CHF 300–2'500 für Erwachsene; 0–600 für Kinder), die zu Ihren erwarteten Gesundheitskosten passt.
- Alternative Versicherungsmodelle (Hausarzt, HMO, Telmed) reduzieren die Prämien um 5–15 %.
- Zusatzversicherungen (VVG) sind freiwillig, erfordern eine Gesundheitsprüfung und sollten am besten bei guter Gesundheit abgeschlossen werden.
- Frist für den Wechsel der Grundversicherung: Die schriftliche Kündigung muss bis am 30. November eintreffen, wirksam per 1. Januar.
Schritt 1 – Die Leistungen der Grundversicherung verstehen
Die Grundversicherung gemäss dem Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) ist gesetzlich geregelt. Jede Krankenkasse ist verpflichtet, jede Person für die Grundversicherung aufzunehmen. Sie darf dabei keine Gesundheitsfragen stellen und muss dieselben medizinisch notwendigen Behandlungen vergüten: Behandlung durch Haus- und Fachärzte, Spitalaufenthalt in der allgemeinen Abteilung Ihres Wohnkantons, rezeptpflichtige Medikamente von der amtlichen Liste, die meisten Vorsorgemassnahmen sowie Leistungen bei Mutterschaft.
Da die Leistungen bei allen Krankenkassen identisch sind, kommt es beim Vergleich der Grundversicherung auf die Kosten und den Service an, nicht auf den Leistungsumfang.
Schritt 2 – Wählen Sie Ihre Franchise
Die Franchise ist der Betrag, den Sie pro Kalenderjahr selbst bezahlen, bevor sich Ihre Krankenkasse an den Kosten beteiligt. Eine höhere Franchise senkt Ihre monatliche Prämie, erhöht aber Ihre maximale Kostenbeteiligung.
Franchisenstufen und typische Überlegungen
| Situation | Empfohlene Franchise |
|---|---|
| Sie rechnen mit regelmässigen Behandlungen (chronische Krankheit, geplante Operation, Schwangerschaft) | CHF 300 (Erwachsene) · CHF 0 (Kinder) |
| Sie sind im Allgemeinen gesund und gehen selten zum Arzt | CHF 2'500 (Erwachsene) · CHF 600 (Kinder) |
| Unsicher – bei Neuzuzug oder unklarem Leistungsbedarf | CHF 300–500 im ersten Jahr, danach neu beurteilen |
Lesen Sie unseren ausführlichen Ratgeber zur Franchise für die genaue Berechnung des Break-even-Punkts.
Schritt 3 – Versicherungsmodell wählen
Die Versicherer bieten alternative Modelle an, bei denen Sie vor dem Besuch von Spezialisten eine erste Anlaufstelle konsultieren müssen. Im Gegenzug sinken die Prämien.
| Modell | Funktionsweise | Typischer Prämienrabatt |
|---|---|---|
| Standard | Freie Arzt- und Spezialistenwahl | 0 % |
| Hausarzt | Benannter Hausarzt ist Ihre erste Anlaufstelle | ~10–15 % |
| HMO | Gesundheitszentrum ist Ihre erste Anlaufstelle | ~15 % |
| Telmed | Vor der Behandlung medizinische Hotline anrufen | ~10–12 % |
Notfälle, Gynäkologie, Augenheilkunde und pädiatrische Vorsorgeuntersuchungen sind in der Regel von der Gatekeeper-Regel ausgenommen – prüfen Sie die spezifische Modelldokumentation.
Schritt 4 — Offizielle Prämien vergleichen
Nutzen Sie priminfo.admin.ch, den neutralen Prämienrechner des Bundesamtes für Gesundheit. Er zeigt alle zugelassenen Versicherer, Franchisen und Modelle für Ihren Kanton und Ihre Postleitzahl an. Vermeiden Sie kommerzielle Vergleichsportale, die nur zahlende Partner anzeigen.
Schritt 5 – Entscheidung für eine Zusatzversicherung (VVG)
Zusatzversicherungen sind freiwillig und unterliegen dem Vertragsrecht, nicht dem KVG. Häufige Ergänzungen sind:
- Spitalversicherung: halbprivat oder privat, freie Arztwahl.
- Ambulante Zusatzversicherungen: Alternativmedizin, Beiträge an Fitnessabonnemente, Brillen, zahnmedizinische Prophylaxe.
- Zahnversicherung: separate Police, mit Gesundheitsprüfung, sinnvoll für Kinder.
- Reise- und Auslandversicherung: für Personen, die häufig reisen, oder für längere Auslandsaufenthalte.
Die Zusatzversicherer können Anträge aufgrund Ihres Gesundheitszustands ablehnen oder Vorbehalte anbringen. Beantragen Sie die Versicherung, solange Sie und Ihre Kinder gesund sind – idealerweise in den ersten Lebensjahren oder direkt nach Ihrer Ankunft in der Schweiz.
Schritt 6 — Rechtzeitig anmelden
Wichtige Fristen
- Neu zugezogene Personen: drei Monate ab dem Datum der Anmeldung, um die Grundversicherung nach KVG abzuschliessen. Der Versicherungsschutz gilt rückwirkend ab der Einreise.
- Neugeborene: drei Monate ab Geburt. Eine Anmeldung während der Schwangerschaft sichert den Abschluss von Zusatzversicherungen ohne Gesundheitsprüfung.
- Jährlicher Wechsel der Grundversicherung: Die schriftliche Kündigung muss bis zum 30. November bei Ihrem aktuellen Versicherer eintreffen.
- Kündigung von Zusatzversicherungen: In der Regel gilt eine Kündigungsfrist von drei Monaten zum Ende des Vertragsjahres — prüfen Sie Ihre Police.
Häufige Fehler
- Wahl der günstigsten Prämie, ohne die Servicequalität oder die Gatekeeper-Regeln des Modells zu prüfen.
- Wahl einer hohen Franchise ohne Notgroschen zur Deckung der Kosten.
- Abwarten mit dem Abschluss einer Zusatzversicherung bis nach einer Diagnose, wenn Versicherer die Aufnahme ablehnen oder Ausschlüsse vornehmen.
- Verpassen der Kündigungsfrist am 30. November und somit ein weiteres Jahr an den aktuellen Versicherer gebunden sein.
- Grund- und Zusatzversicherung beim gleichen Versicherer abschliessen, ohne zu prüfen, ob dies tatsächlich die beste Kombination ist.
Was das für Ihre Familie bedeutet
Für die meisten Familien ist die optimale Struktur: ein gut gewählter Grundversicherer im Hausarzt- oder HMO-Modell, eine Franchise, die den erwarteten Gesundheitskosten entspricht, und eine kleine Anzahl zielgerichteter Zusatzversicherungen (Spital, ambulant, Zahnbehandlung für Kinder). Überprüfen Sie Ihre Versicherungen jeden Herbst vor dem 30. November – die Prämien ändern sich jedes Jahr, und der vor drei Jahren günstigste Versicherer ist heute selten noch der günstigste.
Bevor Sie sich entscheiden – eine kurze Checkliste
- Ich kenne meinen Wohnkanton, meine Postleitzahl und die Zusammensetzung meines Haushalts.
- Ich habe eine Franchise gewählt, die zu unserem erwarteten Behandlungsbedarf und unseren finanziellen Reserven passt.
- Ich habe mindestens drei Versicherer auf priminfo.admin.ch verglichen.
- Ich verstehe die Gatekeeper-Regeln des Modells.
- Ich habe den Abschluss von Zusatzversicherungen in Betracht gezogen, solange alle gesund sind.
- Ich kenne die genauen Kündigungs- und Anmeldefristen.
Häufig gestellte Fragen
Kann mich ein Versicherer für die Grundversicherung abweisen?
Nein. Jeder Schweizer Versicherer muss jede Person in die Grundversicherung nach KVG aufnehmen, unabhängig von Alter oder Gesundheitszustand.
Kann jedes Familienmitglied bei einem anderen Versicherer versichert sein?
Ja. Die Grund- und Zusatzversicherungen können individuell abgeschlossen werden, was finanziell oft sinnvoll ist.
Benötige ich eine Zusatzversicherung?
Nein. Sie ist freiwillig. Sie ist dann sinnvoll, wenn Sie mehr Komfort im Spital, weltweite Deckung oder Leistungen wie Zahnbehandlungen und Alternativmedizin wünschen.
Was geschieht, wenn ich die Anmeldefrist verpasse?
Die kantonale Behörde kann Sie von Amtes wegen einem Versicherer zuweisen, und Sie schulden die Prämien rückwirkend ab Ihrer Ankunft.
Nächster Schritt
Wenn Sie vor dem nächsten Stichtag am 30. November eine neutrale Zweitmeinung wünschen, analysiert unsere kostenlose Beratung Ihren aktuellen Versicherungsschutz, vergleicht ihn mit dem Markt und zeigt Ihnen auf, welche Änderungen für Ihre Familie wirklich von Vorteil wären.
Offizielle Schweizer Quellen
- Bundesamt für Gesundheit – bag.admin.ch
- Offizieller Prämienvergleich – priminfo.admin.ch
- ch.ch – Informationen zur Krankenversicherung – ch.ch/de/krankenversicherung
- Bundesgesetz über die Krankenversicherung (KVG) – fedlex.admin.ch
Dieser Artikel dient nur der allgemeinen Information und ersetzt keine persönliche Beratung in Versicherungs-, Rechts-, Finanz-, Steuer- oder medizinischen Fragen.
